#182: Demokratie in Umbruch

Die repräsentative Demokratie befindet sich in Krise – insbesondere im Westen, beschleunigt durch die digitale Entwicklung. Daher steht das bewährte Modell politischer Teilhabe heute zur Debatte, grundlegende Veränderungen werden gefordert. In zahlreichen Ländern steht die liberale Demokratie unter Druck, es kommt zu illiberalen Versuchen der Machtzementierung, als Antwort kommt es zu Massendemonstrationen und Protesten. Gleichzeitig breiten sich Unsicherheit und Zukunftsangst aus.

Diese ambivalente Stimmung prägt derzeit die politische Atmosphäre. Es herrscht eine Dämmerstimmung und wenig Vertrauen – wie ein Gespenst, das derzeit sowohl in Europa, in Russland als auch in den USA umhergeht und in allen Lebensbereichen spürbar ist. Auch Kunst, Musik und Literatur setzen sich mit „Untergangsszenarien und -fantasien“ auseinander.

Die immer wiederkehrenden Untergangsnarrative – etwa im Finde Siècle, als Angst vor dem Kometeneinschlag 1910 oder als „Untergang des Abendlandes“ 1918 – gehen stets mit politischen und gesellschaftlichen Krisen einher.

Seit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit hat der Weltuntergang gar Dauerkonjunktur. In Westeuropa dominiert aktuell die Beklemmung vor einem wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang, in Osteuropa die Angst vor Russland.

Auf eine Krise folgt letztlich stets ein Aufbruch. Und so haben wir uns auf die Suche gemacht: nach Erklärungen für den demokratiepolitischen Status quo, nach neuen Perspektiven und möglichen
Zukunftsszenarien – und haben dabei demokratische Modelle und Experimente in verschiedenen Ländern unter die Lupe genommen.

Dabei richten wir unseren Blick aber auch zurück – auf einen der ersten Visionäre einer rechtsstaatlichen Ordnung: den berühmten Bauernführer Michael Gaismair, der vor 500 Jahren im Tiroler Bauernkrieg eine „Neue Tiroler Landesordnung“ entwarf.

Haimo Perkmann

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