Immer mehr Menschen reisen häufiger, weiter und zugleich für immer kürzere Zeiträume. Der Tourismus ist längst mehr als ein bedeutender Wirtschaftszweig. Er ist zu einer gesellschaftlichen Frage geworden, die den öffentlichen Raum ebenso prägt wie politische Debatten und alltägliche Erfahrungen. Dass sich diese Auseinandersetzung inzwischen auch in Form aktivistischer Interventionen im öffentlichen Raum Südtirols ausdrückt, überrascht kaum: Aufkleber mit der Aufschrift „9 Mio. Tourists“ oder „Overtourism“ und der rote Schriftzug „Too much“ auf Skipisten machen sichtbar, was viele Menschen beschäftigt.
In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff der Solastalgie von Bedeutung. Er bezeichnet das belastende Gefühl von Verlust und Entfremdung, das entsteht, wenn Menschen die tiefgreifende Veränderung oder Zerstörung ihres unmittelbaren Lebensraums erleben und sich ihrer vertrauten Umgebung zunehmend entfremdet fühlen. Gerade in Regionen, deren Landschaften und Ortsbilder durch den Tourismus maßgeblich geprägt werden, gewinnt dieses Phänomen an Aktualität.
Der Heimatpflegeverband Südtirol versteht seine Aufgabe darin, die vielfältige Kultur- und Naturlandschaft des Landes zu schützen, zu bewahren und ihre Entwicklung kritisch zu begleiten. Aus diesem Grund greift er das Thema Tourismus auf und zeigt vom 7. September bis 16. Oktober in Bruneck die Ausstellung Über
Tourismus des Architekturzentrum Wien. Sie stellt zentrale Zukunftsfragen: Welche Auswirkungen haben unsere Urlaubswünsche auf die gebaute Umwelt, das soziale Gefüge und das Klima? Und wie lässt sich ein Tourismus denken, der nicht jene Grundlagen zerstört, von denen er selbst lebt? Angesichts der tiefgreifenden Auswirkungen des Tourismus auf Landschaft, Mobilität, Wohnraum, Ressourcen und kulturelle Identität sind dies Fragen, die auch für die Kulturelemente relevant sind, weshalb wir Über Tourismus mit diesem Heft begleiten.
Hannes Egger
