#167: La Rosa de Fuego

Welche Herrschaft? Welches Rechtssystem? Hat die Demokratie ausgedient? Gibt es Alternativen zu den um sich greifenden Autokratien? Tendenzen zur Nicht-Anerkennung der staatlichen Macht, vonInstitutionen und Autoritäten haben weltweit Aufschwung, denken wir etwa an Eigenstaatler*innen, Separatist*innen, „Selbstverwalter*innen“ oder auch an die No-Vax-Bewegung. Viele dieser Gruppensetzen an die Stelle der Wissenschaft „alternative Fakten“ und anstelle des Rechtsstaates ihren Glauben an andere autoritäre Strukturen.

Die Anarchist*innen wiederum vereinen traditionell die Idee von Gleichheit und Gerechtigkeit mit Freiheit. Sie wollen frei sein, wollen für sich selbst entscheiden, was gut oder schlecht für sie ist, für ihrenKörper und ihren Geist. Wer möchte nicht ein herrschaftsfreies Leben? Sind wir als Gemeinschaftzu dieser Leistung fähig? Oder brauchen wir Vorschriften und Regeln? Darüber sinnieren gelehrte Menschen seit Jahrtausenden.

Kann die Anarchie ein Idealzustand sein? Etwa als herrschaftsfreies friedliches Zusammenleben! Nicht ganz so friedlich verlief das bisher größte und längste anarchistische Experiment, als sich zwischen 1936 und 1939 in Barcelona eine anarchistische Räterepublik etablierte. Die Epoche dieser Stadt ging als La Rosa de Fuego in die Geschichte ein, worüber Georg Orwell schrieb: „Niemand lebte dort außer den Bauern und uns selbst, und niemand hatte einen Herrn über sich.“ Ist es ein utopisches Ziel, von der Anarchie zu träumen? In Barcelona endete schließlich alles in Gewalt, Kirchen und Klöster gingen in Flammen auf, schließlich wurde das Militär entsandt. Die Gegner des Experiments sprechen von der„Tragischen Woche“. Es bleibt die Frage, ob wir uns nicht als Menschheit insgesamt quasi-spiralförmig in die Richtung der Herrschaftslosigkeit bewegen. Doch bedeutet dies nicht, dass wir zu gläsernen Menschen werden, die alle Geheimnisse offenlegen und das Gesetz verinnerlicht haben, um friedlich zusammenleben zu können?

Haimo Perkmann / Hannes Egger

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