# 154: Kultur als Humus

Lebenslaboratorien


„Wir befinden uns hier im Humus: ein dunkles, organisches Material, das durch die mikrobielle und tierische Zersetzung den Boden fruchtbar macht. Ein lebendiger Nährboden, seine Mikroorganismen stehen in ständiger Wechselbeziehung miteinander. Es ist keine kompakte Masse, sondern ein offenes, poröses System, das mit Pilzfäden (Pilzhyphen) vernetzt ist. Die im Ausstellungsraum angehäuften Materialien geben Ein- und Ausblicke in vergangene Ausstellungsprojekte, Publikationen und „artist’s books“ jener KünstlerInnen, die in der Ausstellung „unlearning categories“ vertreten sind.
Sie bieten die Möglichkeit, das Kunstwerk in einem komplexen Gefüge zu betrachten, aus dem es sich nicht herauslösen lässt. Nimm es als poröses, vernetztes System wahr und bleib unruhig! Um unruhig zu bleiben, müssen wir uns auf eigensinnige Art verwandt machen. Das meint, dass wir einander in unerwarteten Kollaborationen und Kombinationen, in aktiven Kompostierungen brauchen. Wir werden miteinander oder wir werden gar nicht.“


Mit diesen Worten beginnt die von BAU kuratierte Ausstellung unlearning categories im Museion in Bozen. Der Saaltext zum Humus ist ein Aufruf und ein Statement. Wir werden miteinander oder wir werden gar nicht.
Dem ist wahrscheinlich so und es hat sich auch in der Diskussion der Relevanz von Kultur und Kunst in den letzten Monaten gezeigt. Als Argument für die Relevanz von Kultur und Kunst wird vielfach vorgebracht, dass die Quarantäne ohne Kultur, Film, Musik und Tanz, ohne Kunst und Literatur nicht auszuhalten gewesen wäre. Reicht uns dieser Aspekt? Sind Kulturorte nicht vielmehr „Lebenslaboratorien, die Erkenntnisse zu Erlebnissen werden lassen“, wie es der Theaterregisseur Roberto Ciulli im Kunstforum Bd. 268 formuliert? Theater, Konzertsäle und Museen sind Orte, die uns auf nicht nur logische, sondern auch emotionale, wenn nicht gar magische Weise neue Erkenntnisse gewinnen lassen.
Wir sind unschlüssig in Anbetracht der großen Frage und haben darum verschiedene Autorinnen und Autoren gefragt, uns ihre Sicht der Dinge zu vermitteln.
Was ist der Humus, der das Leben wachsen lässt?


Hannes Egger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s